Dach-Dieter

Schnee auf dem Terrassendach: wann räumen, was der Schneesack anrichtet

Die meisten Schäden am Terrassendach entstehen nicht durch Regen, sondern durch Schnee – und zwar dort, wo man es nicht erwartet: direkt an der Hauswand.

Stand: 7. November 2026

Schneelast und Schneesack an der Hauswand
  1. Schnee fällt und liegt gleichmäßig auf dem Terrassendach – jeder Quadratmeter trägt mit.
  2. Vom höheren Hausdach rutscht Schnee ab und sammelt sich im Winkel an der Hauswand (Schneesack).
  3. Dort ist die Last ein Vielfaches höher als in der Fläche; die Pfeile zeigen das.
  4. Der Sparren biegt sich unter der Last durch (hier stark überzeichnet). Taut der Schnee, federt er zurück.

Wie viel Schnee dein Dach tragen muss

Die Last hängt an der Schneelastzone und der Höhe deines Orts. Nach DIN EN 1991-1-3 mit nationalem Anhang sind in Zone 2 auf 300 m Höhe etwa am Boden 0,89 kN/m² anzusetzen, rund 91 kg je Quadratmeter. Hersteller geben die zulässige Last ihres Dachs im Datenblatt an – Gutta zum Beispiel 150 kg/m² bei 3 bis 4 m Dachtiefe, aber nur 100 kg/m² bei 5 m. S-Polytec lässt sein Glasdach nur in den Zonen 1 und 2 zu. Schneelast für deine Postleitzahl

Der Schneesack an der Hauswand

Rutscht Schnee vom höheren Hausdach oder weht der Wind ihn in den Winkel, häuft er sich an der Wand an. Die Norm verlangt dafür einen eigenen Lastfall: Der Faktor auf die Bodenlast liegt zwischen 0,8 und 2,4. Ein Beispiel mit typischen Annahmen (Hausdach 35 Grad geneigt und 5 m tief, Traufe 2,5 m über dem Terrassendach, Terrassendach 3,5 m tief, Zone 2 auf 300 m): Direkt an der Wand ergibt das rund 2,1 kN/m², also etwa das 2,4-Fache der Bodenlast. Zur Dachkante hin nimmt die Last ab; die Norm verteilt sie über 5 m, bei diesem Dach also über die ganze Tiefe. Ein Bausatz, der für die Fläche gerade reicht, kann dort überlastet sein.

Ein Terrassendach ist zudem kein Schutz vor Dachlawinen; Heim & Haus weist ausdrücklich darauf hin, dass die Dächer bei Bedarf selbst durch Schneefanggitter vor Dachlawinen geschützt werden müssen. Ob es dafür eine Pflicht gibt, ist örtlich geregelt; das Landgericht Ulm hat 2006 Schutzmaßnahmen bei steilen Dächern ab etwa 45 Grad für allgemein erforderlich gehalten.

Richtig räumen

  1. Rechtzeitig räumen, nicht erst nach Tagen Dauerschnee oder vor einsetzendem Tauwetter, wenn der Schnee schwer und nass wird.
  2. Mit einem weichen Besen oder Schneeschieber aus Kunststoff arbeiten, keine Metallkanten auf Glas oder Stegplatten.
  3. Den Winkel an der Hauswand zuerst entlasten.
  4. Nie direkt auf das Dach steigen; wenn überhaupt, nur über eine breite Laufbohle.
  5. Rinne frei halten, damit Schmelzwasser abläuft.

Lamellendächer haben eigene Regeln: Weinor schreibt für das Artares vor, die Lamellen bei starkem Schneefall senkrecht zu stellen und festgefrorene Lamellen nicht zu bewegen. Skan Holz schließt Schäden von der Garantie aus, wenn die Schneelast am Standort die Tragfähigkeit überschreitet – ein Grund mehr, das Dach passend zur Zone zu kaufen.

Häufige Fragen

Ab wann muss ich Schnee vom Terrassendach räumen?

Eine feste Zentimeterzahl nennen die Hersteller für Glas- und Stegplattendächer nicht; Gutta und Karle & Rubner schreiben, das Dach regelmäßig zu räumen. Entscheidend ist das Gewicht: Nasser Schnee wiegt ein Vielfaches von Pulverschnee. Räume spätestens, bevor die zulässige Schneelast deines Dachs erreicht sein kann – und besonders den Winkel an der Hauswand.

Darf ich auf das Terrassendach steigen?

Nein, nicht direkt. S-Polytec und Skan Holz schreiben vor, das Dach nur über ein breites Brett oder eine Laufbohle (Skan Holz: mindestens 50 cm breit) zu betreten. Sicherer ist es, mit einem weichen Besen mit Teleskopstiel von unten oder von der Seite zu räumen.